Erinnerungen
Siegmund BAYREUTH

Als ich 1976 eingeladen wurde, bei den Bayreuther Festspielen den Siegmund in der WALKÜRE zu singen, war ich bereits Jahre zuvor Gast und Zuhörer in Bayreuth. Mein damaliger Freund, der berühmte Heldentenor Jess Thomas hatte mich eingeladen, während seines Bayreuther Engagements hinter die Kulissen des Festspielhauses zu schauen.
Ende Juli 1976 rückte nun mein Bayreuth-Debüt immer näher und nicht nur die Freude, sondern auch die Nervosität stieg unaufhaltsam. Kurz vor Vorstellungsbeginn wurde mir plötzlich auch noch bewusst, dass mehr als 40 Länder live übertragen würden. Ein Albtraum! Wäre jemand in meine Garderobe gekommen und hätte gesagt: "Du, unten steht ein Ferrari, lass uns einfach verschwinden....." - ich weiß nicht, wie ich mich entschieden hätte!
Nach der sensationellen Premiere war ich froh, dass ich geblieben bin und es folgte eine lange Premierenfeier.

 

Parsifalprobe mit Karajan CLASSIC MEETS POP

Nachdem wir ein Jahr zuvor den PARSIFAL in Berlin aufgenommen hatten, wurde ich 1982 von Herbert von Karajan eingeladen, die Titelrolle bei den Salzburger Festspielen zu übernehmen. Während der anstrengenden Probenzeit ergab sich eine nette kleine Geschichte, als ich Maestro von Karajan in meinem Wagen vom Festspielhaus zum Restaurant mitnahm. Weil es mich interessierte, fragte ich ihn nach seiner Meinung zu Pop Musik. Noch völlig in die Parsifal-Probe versunken antwortete er nach kurzem Zögern: "... wenn sie gut ist!" Daraufhin schob ich "The Wall" von Pink Floyd in das Kassettenfach und war sehr auf seine Reaktion gespannt. Nach einer Weile bemerkte ich, wie er mit der Hand auf seinem Oberschenkel den Takt mitschlug.
Dies war wohl die Geburtsstunde von "Classic meets Pop"!

 

Lohengrin LOHENGRIN in Moskau

1982 hatte ich mit dem Ensemble der Hamburger Staatsoper ein Gastspiel am Moskauer Bolschoi Theater. Auf dem Spielplan stand LOHENGRIN. Zur Probe ging ich wie immer leger gekleidet. So etwas war der Pförtner am Bühneneingang nicht gewohnt. Ein junger, blonder, langmähniger Typ mit Jeans und Lederjacke in diesem Theater - das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Er verwehrte mir den Zutritt und fragte wohl, wo ich denn hinwolle. Ich versuchte ihm klar zu machen, dass mein Name Peter Hofmann ist und ich hier den LOHENGRIN singen soll. Leider erwies sich die Verständigung als schwierig. Er deutete immer wieder auf meine Lederjacke und konnte sich einfach nicht vorstellen, dass ein Mann, der so etwas trug, hier singen sollte. Nach langem hin und her kam mir der rettende Gedanke: Ich schmetterte mit voller Stimme ein paar Töne. Das überzeugte und er ließ mich passieren.

 

Mr. Sony MR. SONY

Sehr gerne erinnere ich mich auch an Akio Morita, Mitbegründer und damaliger Vorstandsvorsitzender des SONY-Konzerns, den ich während seines Besuchs der Bayreuther Festspiele 1983 spontan zu mir einlud. Er staunte nicht schlecht, als ich ihm in meinem Wohnzimmer die neusten Aufnahmen auf der HiFi-Anlage Sony Esprit vorspielte. Auch der Sony Digitalplattenspieler fehlte nicht. Herr Morita und ich waren sofort auf einer Wellenlänge. Beide zählten wir Musik und Technik zu unseren Lieblingsthemen. Musik von Salzburg bis Bayreuth, Technik von HiFi bis Honda. Unvergesslich bleibt die abschließende Fahrt auf einer 1200er Honda. Mit Akio Morita auf dem Sozius brausten wir mit Höchstgeschwindigkeiten durch die Landschaft.

 

Phantom der Oper DAS PHANTOM DER OPER

Die Hamburger Aufführung des Musicals "Das Phantom der Oper" bestach unter anderem durch ihre beeindruckende Technik. Nicht nur der Absturz des Kronenleuchters war computergesteuert, sondern auch viele interessante Effekte auf der Bühne. Dazu gehörte auch die Bootsfahrt des Phantoms auf dem unterirdischen See. Der Weg des Bootes wurde durch die Technik automatisch geregelt. Eines Tages, als ich die Christine in mein unterirdisches Labyrinth entführen wollte und dazu den See überqueren musste, hielt das Boot nicht an der dafür bestimmten Stelle, sondern nahm seinen Weg an uns vorbei. Wir hatten keine Chance, einzusteigen. Was sollte ich tun? Ich nahm meine Christine bei der Hand und wandelte - wie Jesus - mit ihr über das (glücklicherweise künstliche) Wasser.

 

Old Firehand EL GRINGO

Im Sommer 1997 hatte ich die wunderbare Aufgabe, bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg den Old Firehand zu spielen. Das war eine besondere Herausforderung, denn hier wurde nicht gesungen, sondern die schauspielerische Leistung war gefragt. Man musste improvisieren können und auch einige Stunts waren gefordert. Gespielt wurde auf einer großen Freilichtbühne. Das reizvollste für mich aber war die Arbeit mit den Pferden - sie für die Vorstellung auszubilden, mit ihnen über schmale Pfade zu reiten und sie zu beruhigen, wenn die Pyrotechniker ihr Feuerwerk losließen. Das alles hat mich in den wenigen Wochen so eng mit meinem Bühnenpferd "El Gringo" zusammengeschweißt, dass ich mir nicht vorstellen konnte, ihn am Ende der Saison in Bad Segeberg zurückzulassen. Es gelang mir, das Pferd zu kaufen und mit nach Hause zu nehmen. Ich glaube, Gringo fühlte sich bei mir sehr wohl.